Vorteile des KV


Der Kombinierte Verkehr unterliegt einigen Vorurteilen hinsichtlich seiner Leistungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit. Dabei kommt immer wieder ins Spiel, dass sich der KV nur über große Entfernungen rechnen würde und dazu nur für wenige Güter und Waren geeignet ist. Insbesondere hochwertige und empfindliche Güter wären für den KV ungeeignet, so die gängigen Thesen. Unbestritten liegen die Vorteile des Kombinierten Verkehrs im Bereich des Fernverkehrs. Die gängige Faustregel, Kombinierter Verkehr würde sich erst ab 500 bis 700 km lohnen, ist jedoch häufig falsch. Vielmehr müssen verschiedene Faktoren berücksichtigt werden, um ein abschließendes Urteil, hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit zu geben. Dazu zählen die zu transportierenden Mengen, Distanz, Anbindung und Häufigkeit des Transports. Kostenvorteile sind damit stets im Einzelfall zu prüfen.

Betriebswirtschaftliche Vorteile

Werden Güter im Kombinierten Verkehr transportiert und umgeschlagen ergeben sich verschiedene Vorteile, die die genannten Faktoren berühren. Betriebswirtschaftlich ergeben sich Vorteile durch Maßnahmen des Gesetzgebers zur Förderung des KVs. Dazu zählt die 44-Tonnen-Regelung, die es ermöglicht, dass Fahrzeuge, die im Vor- und Nachlauf, zu oder von einem nächstgelegenen geeigneten Terminal eingesetzt werden, ein Gesamtgewicht von 44-Tonnen haben dürfen. Fahrzeuge, die im reinen Straßenverkehr unterwegs sind, dürfen lediglich ein Gesamtgewicht von 40-Tonnen aufweisen. Durch den Transport größerer Mengen können so Lkw-Fahrten eingespart werden, wodurch sich direkte finanzielle Vorteile ergeben.

Zudem sind Lkw, die im Vor- und Nachlauf des Kombinierten Verkehrs eingesetzt werden, von Fahrverboten zur Ferienzeit sowie an Sonn- und Feiertagen ausgenommen, wenn eine Strecke von 200 Kilometern nicht überschritten wird. Finanziell ergibt sich ein weiterer Vorteil aus der Befreiung von der Kfz-Steuer für Lkw, die im Vor- und Nachlauf unterwegs sind. Zudem fallen Mautgebühren nur für gefahrene Kilometer per Lkw an, die sich durch die Nutzung des Kombinierten Verkehrs deutlich reduzieren.

Jeder nichtgefahrene Lkw-Kilometer auf der Autobahn und einigen Bundesstraßen bedeutet zudem auch eine Reduzierung bzw. Vermeidung von anfallenden Kosten der Straßennutzungsgebühr (Maut). Diese wird bei Kombinierten Verkehren unter Einbezug des Lkw in der Regel nur im Vor- und Nachlauf fällig.

Generell ist es Ziel des Kombinierten Verkehrs die Vorteile der einzelnen Verkehrsträger zu nutzen. Durch die Zusammenfassung von Ladungen haben die Massentransportmittel Schiene, Wasserstraße und Seeweg ein besonders günstiges Verhältnis in punkto Kosten pro transportierter Tonne. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die CO2-Bilanz pro Ladungseinheit. Nach dem Transport Emission Model (TREMOD) des IFEU-Instituts Heidelberg, wird mit jeder Lkw-Ladung, die auf die Schiene verlagert wird, pro Tonne und Kilometer der Ausstoß von 54 Gramm CO2 gegenüber dem reinen Straßentransport eingespart. Dies entspricht einer Reduktion von durchschnittlich zwei Drittel an CO2-Emissionen. Logistikunternehmen, die den KV wählen, erfüllen damit die Anforderungen an eine zukunftsgewandte grüne Logistik, wie sie schon heute von vielen Unternehmen und Kunden gefordert wird.

Weitere betriebswirtschaftliche Vorteile ergeben sich aus den fest definierten Laufzeiten im Kombinierten Verkehr. Bahn- und Schiffsverkehre finden zumeist im Liniendienst statt, dies gewährleistet Planbarkeit und eine optimale Auftragsabwicklung. Zudem führt jeder nichtgefahrene Lkw-Kilometer zur Einsparung oder zum Wegfall von Ruhezeiten der Fahrer. Dies setzt Personalkapazitäten frei und reduziert außerdem die Kosten für Instandhaltung von Fahrzeugen.

Volkswirtschaftliche Vorteile

Ein volkswirtschaftlicher aber auch sozialer Vorteil ist die Vermeidung von Lkw-Transporten auf der Straße. Durch Zusammenfassung der Ladung auf Massentransportmitteln werden Verkehre auf der Straße eingespart. Dies schont die Straßen, verringert Staus und vermindert die negative Wahrnehmung von Lkw im Fernverkehr durch die Bevölkerung. Im Jahr 2011 wurden allein auf dem deutschen Schienennetz jährlich knapp 78 Millionen Tonnen im Kombinierten Verkehr befördert, das entspricht theoretisch dem Transportvolumen von etwa 15.000 Lkw-Fahrten täglich. In der Binnenschifffahrt wurden annähernd 21 Millionen Tonnen äquivalent zu 4.000 Lkw-Fahrten verlagert1.

Zu den ökonomischen und ökologischen Vorteilen des Kombinierten Verkehrs kommt zusätzlich der Aspekt der Transportsicherheit. Spurgeführte Verkehrswege sowie der Transport per Binnenschiff weisen durch eine permanente Transportüberwachung und zentrale Betriebssteuerung eine hohe Transportsicherheit auf. Dies ist insbesondere bei Gefahrguttransporten sowie in der chemischen Industrie ein Faktor. Was die Häufigkeit angeht sind Lastkraftwagen elfmal mehr in Unfälle verwickelt als Eisenbahnen und neunmal häufiger als das Binnenschiff je Milliarden Tonnenkilometern2.

Alle Vorteile auf einen Blick:

Optimale Verknüpfung der Stärken verschiedener Verkehrsträger (Kapazität, Flexibilität)

Kostenvorteile durch Massentransportmittel

Hohe Transportsicherheit auf der Schiene

Entlastung der Straßen

Lärm- und CO2-Reduzierung

Betriebswirtschaftliche Vorteile (44-Tonnen-Regelung, Ausnahmen bei Fahrverboten, Befreiung von Kfz-Steuer, geringere Mautkosten)

Fest definierte Laufzeiten → Ruhezeiten fallen weg

Reduzierung von Fahrzeugkosten

1https://www.destatis.de/DE/Publikationen/WirtschaftStatistik/Verkehr/KombinierterVerkehr2012_32014.pdf?__blob=publicationFile
2 http://www.wsd-ost.wsv.de/service/Downloads/Verkehrstraegervergleich_Gutachten_komplett.pdf

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